Kommentar

Buch Wien: Stapellauf gelungen, Kurskorrektur erwünscht

Kultur

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 48/08 vom 26.11.2008

Laut offiziellen Zahlen haben die Buch Wien exakt 1966 Leute weniger Leute besucht als die Boat Show Vienna, die zeitgleich unter demselben Dach der Messe im Prater stattfand. Angesichts des Umstands, dass es doch mehr Leser als Bootsbesitzer gibt, mag das enttäuschend sein - der Stapellauf der Buch Wien kann dennoch als gelungen gelten. Die Dame am tschechischen Gemeinschaftsstand freut sich am Interesse für zweisprachige Ausgaben; Erwin Riedesser, Vorsitzender des Buchhändlerverbands, freut sich am Umsatz der Gemeinschaftsbuchhandlung, den er mit insgesamt rund 100.000 Euro beziffert ("Man hatte den Eindruck, als gäb's in Wien keine Buchhandlungen"); und die Aussteller freuen sich einhellig über das interessierte, junge und informierte Publikum. Hinzu kommen hunderte gut bis sensationell besuchte Veranstaltungen des Lesefests in der ganzen Stadt.

Sogar die Preise hat man unter Murren geschluckt: immerhin € 8,50 für die Tageskarte (da könnte dann die Garderobe schon kostenlos sein!); wer online bucht, spart immerhin € 2,50. Zum Vergleich: Leipzig kostet - bei zehnfachem Ausstellungsvolumen - € 11,50. Über die Standmieten haben alle geklagt - der einzige Faktor, bei dem Wien nicht meilenweit von der Frankfurter Buchmesse entfernt ist. Hier könnte eine Tarifreduktion helfen, die zögerlichen deutschen Verlage 2009 nach Wien zu lotsen oder zu würdigen Auftritten zu verhelfen: Gezählte 20 Titel von S.Fischer auf ein paar Quadratdezimeter Stellfläche: Das ist nur noch peinlich! Und die erpresserische Junktimierung - Autoren dürfen nur lesen, wenn ihr Verlag einen Stand mietet - muss schleunigst abgeschafft werden. Sie war gewiss kontraproduktiv.


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