Die NYT und die trüben Aussichten der Branche

Medien | aus FALTER 48/08 vom 26.11.2008

Amerikanischen Zeitungen geht es schlecht. Allein bis Ende September hat sich ihre durchschnittliche Reichweite um 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verringert, errechnete das Audit Bureau of Circulation. Auch die New York Times büßte 3,6 Prozent ihrer Auflage ein.

Der Auflagenschwund ist nicht die einzige Sorge der Blattmacher. In den vergangenen zwei Jahren sind die Anzeigenerlöse aus Print und Online um ein Viertel zurückgegangen. Was die Zeitungen an Werbeeinnahmen verlieren, wird online nicht wettgemacht. US-Medienkonzerne erwirtschaften nur zehn Prozent ihres Umsatzes im Netz, sagt Michael Rogers. Er leitete in den vergangenen zwei Jahren die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Times.

Trotzdem ist das Web die Zukunftshoffnung der Branche. Das zeigt sich auch daran, dass das Flaggschiff New York Times Vordenker wie Rogers engagiert, die sich in einer eigenen Abteilung über die Weiterentwicklung der Zeitung den Kopf zerbrechen.

Die graue Lady, so der Spitzname der Zeitung, hat längst mehr Leser im Netz als Abonnenten. Schon zu Beginn des Vorjahres besuchten täglich 1,5 Millionen User NYTimes.com, wohingegen nur 1,1 Millionen Menschen die Zeitung zugestellt bekamen. Anlässlich dieser Entwicklung ließ sich der Herausgeber der Zeitung, Arthur O. Sulzberger, damals zu folgendem Zitat hinreißen: "Ich weiß wirklich nicht, ob wir die Times in fünf Jahren noch drucken werden. Und wissen Sie was? Es ist mir auch egal."


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige