Der Beichtvater und die Beulenpest

Feuilleton | aus FALTER 48/08 vom 26.11.2008

230 Stunden Material, 270 Minuten Film: "Der Prozess" (1984) brachte Kriegsverbrecher zum Reden

Text: Michael Omasta

Am 26. November 1975 wurde am Düsseldorfer Landgericht, Schwurgerichtssaal 111 ein Prozess gegen 16 ehemalige SS-Mitglieder eröffnet, die zwischen 1941 und 1944 im Vernichtungslager Majdanek im polnischen Lublin ihren "Dienst" versehen hatten. Es wurde eines der langwierigsten Verfahren in der deutschen Justizgeschichte. Bis zur Urteilsverkündung vergingen fünfeinhalb Jahre.

Von den bei Prozessende am 30. Juni 1981 noch verhandlungsfähigen Angeklagten wurde eine, Hermine Braunsteiner (Aufseherin des Frauenlagers, genannt "die Stute von Majdanek"), zu lebenslänglicher Haft verurteilt, sieben weitere zu Freiheitsstrafen zwischen drei und zwölf Jahren; einer wurde freigesprochen. Der vorsitzende Richter Günter Bogen bezeichnete das Ergebnis, gemessen am Aufwand, als "unbefriedigend". Und Dieter Ambach, seinerzeit Staatsanwalt, resümierte Jahre später: "Wir hatten viele


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