Kritiken

Schreber ohne Garten: eine Nervenromanze

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

Daniel Paul Schreber ist der Sohn des Namenspatrons des Schrebergartens. Ihm hat Joachim J. Vötter den zweiten Teil einer Trilogie gewidmet, die 2006 mit „Die Walzermembrane“ begann. In „Schreber – eine Nervenromanze“ finden sich Gott und die Welt im Kopf des Gerichts- und Senatpräsidenten Schreber ein, um ihn bis zu seiner Entmündigung, aber auch bis zur Niederschrift des Buches „Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“ zu malträtieren. Regisseur Hubsi Kramar hat Schreber mit seinem kongenialen Hauptdarsteller Andreas Patton zwischen Kleingarten, Weltkugel und Irrenanstalt zum Leben erweckt. An Schreber waren die Erziehungsmethoden des Vaters nicht spurlos vorübergegangen, das Publikum darf sich dagegen an strammen Jungs im Turngewand erfreuen, die den Wahnwitz deutscher Heilgymnastik vorexerzieren. Und Patton gibt sich ganz zwei sprachgewaltigen Geistesmenschen, dem Autor und dem Porträtierten, hin.

Letzte Vorstellungen: 3raum-Anatomietheater, Fr und Sa 19.30


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige