Kritik

Roman Signer: Tschingbumm nach Plan

Lexikon | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

Keine Ausstellung von Roman Signer ohne Knalleffekt: Auch im Alter von 70 Jahren kann der Schweizer Künstler nicht die Finger vom Explosionsmaterial lassen. Signers Skulpturbegriff zielt auf eine Veränderung des Objekts, die nie voll kalkulierbar ist. Planvolle Zerstörung mit überraschenden Effekten steht abermals im Mittelpunkt der Aktionen, die jetzt in der Galerie Martin Janda zu sehen sind. So zeigt ein Video etwa, wie Signer ein Geschwader von Modellhelikoptern im Ausstellungsraum hochsteigen lässt, die nacheinander kollabieren und am Ende traurig am Boden zucken. „Wie eine Armee, die sich selbst zerstört“, meinte der Künstler selbst zu der Aktion.

Signers Metamorphosen erzeugen diesmal auch Action-Paintings. Dafür ließ der Künstler in Holzkisten Dosen mit Yves-Klein-Blau explodieren. Die bespritzten Kistendeckel eignen sich nun als dekorativer Wandbehang. Bei der einzigen vor Ort entstandenen Arbeit jagte Signer ebensolche Farbdosen mit elektrischem Zünder direkt in die Luft, sodass die Wände bis zur Decke mit blauen Spritzern überzogen sind. Eine Fotodokumentation zeigt eine Aktion, bei der ein Kleinlastwagen auf einer Rampe zum Sturz Hals über Kopf gebracht wird. Im Obergeschoß der Galerie steht ein Tisch mit einem Loch in der Platte, das durch Spezialsprengstoff entstanden ist. Radikal das Ergebnis der Bodeninstallation „Aktenkoffer“: Ein Häufchen Metallschrott ist alles, was übrig bleibt. Dass Signer immer noch Freude an „Tschingbumm“ hat, ist nicht zu übersehen. NS

Galerie Martin Janda, bis 17.1.


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