Neu im Kino

Eine schöne Bescherung! Four Christmases

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

Die amerikanische Komödie und Weihnachten sind wie zweieiige Zwillinge: Sie können völlig verschieden aussehen und gehören doch zusammen. Denn am Fest der Feste als großem Knüller der abendländischen Kulturindustrie kommt vor allem das Kino nicht vorbei, wobei nicht erst seit Frank Capra hinter weißen Gartenzäunen Bescherung und Bekehrung zusammenfallen.

Doch seit einiger Zeit ist das mit Weihnachten so eine Sache. Da tummeln sich giftgrüne Pelztiere des Dr. Seuss ebenso auf der Leinwand wie ein zunehmend dicker Vince Vaughn, der in der aktuellen Weihnachtskomödie „Mein Schatz, unsere Familie und ich/Four Christmases“ an der Seite von Reese Witherspoon eine Art Höllenfahrt in den Himmel durchlebt: Statt auf den sonnigen Fidschiinseln landen Brad und Kate als glückliche Kindes- und Heiratsverweigerer unglücklicherweise zum ersten Mal bei ihren geschiedenen Eltern samt Anhang – ein Spießrutenlauf durch familiäre Abgründe und Kindheitstraumata in vier Kapiteln. Kein Wunder, dass Seth Gordons Regiedebüt deshalb neben der entsprechenden Situations- und Brachialkomik inklusive Krippenspiel vornehmlich von seinen Nebendarstellern profitiert: Sissy Spacek, Robert Duvall, Mary Steenburgen und Jon Voight geben sich die Ehre und zeigen, wie man sich als Besucher an jedem Ende des sozialen Spektrums zwischen Wrestling und New Age unwohl fühlen kann.

Die Suche nach der neuen Identität – zentrales Motiv jedes Weihnachtsfilms – führt das Hedonistenpaar und seine diesjährige Zielgruppe natürlich am Ende nicht auf die einsame Insel, sondern zu sich selbst. Denn am Weihnachtstag sollte man nur das bekommen, was man sich wirklich wünscht.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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