Ohren auf!

Sammelkritik

Lexikon | Carsten Fastner | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

Seine Musik beschrieb er als blau-orangenen Lavastrom oder als türkisen, von Violetttönen umwölkten Planeten, voller granatrot wuchernder Verzweigungen und purpurner Akkordkaskaden. Und er litt stets darunter, dass sein Publikum all diese Farbwirbel bestenfalls hört, aber niemals sieht – so wie er selbst es konnte.

Olivier Messiaen (1908–1992) war Synästhet, er hörte Farben und sah Klänge. Doch nicht nur diese seltene, für all sein Komponieren bestimmende Gabe machte ihn zur Ausnahmeerscheinung in der Musik des 20. Jahrhunderts. So wichtig er als Lehrer für die Generation der Nachkriegsavantgarde war, so solitär steht seine Musik in ihrer Zeit, blieb in ihrer erratischen Haltung letztlich unverständlich.

In tiefempfundener, vielleicht gar naiver Religiosität, staunend vor der Herrlichkeit der Schöpfung, betrachtete Messiaen das Universum, durchwanderte schroffe Gebirge und sanfte Täler, lauschte den Vögeln ihren Gesang ab – und pries, inmitten aller Katastrophen seiner


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