Theater

Unter Null: Vom Theater in kalten Zeiten

Kritik

Lexikon | Thomas Wolkinger | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

Man ist ein wenig ratlos, wenn man nach gut zwei Stunden die „totale Lebensrauminstallation“ verlässt, die von der zweiten liga für kunst und kultur rund um Johannes Schrettle im Theater im Bahnhof angehäuft wurde.

Man hat in diesen zwei Stunden Videos von Verena Hagemann beim Kaffetrinken sehen können, man hat dann Verena Hagemann „in Echt“ in einem „Privatraum“ dabei beobachten dürfen, wie sie Verena Hagemann in einem Privatraum spielt, der aber eher wie ein Second-Hand-Laden aussah. Man konnte Karaoke singen, Klaus Meßner beim Tagebuchschreiben zuschauen oder gemeinsam mit Christina Lederhaas in einem „Arbeitsraum“ seltsam bürokratische Tätigkeiten zum strengen Ticken einer Uhr verrichten. In einer „Bar“ gab’s Bier und Stimmen vom Band. Zwischendurch hat eine Sirene zu Zwischenbilanzen ins Foyer gerufen, in denen die Schauspieler dann (fiktives) Verhalten des Publikums in der Installation kommentierten.

Das alles war weder sonderlich unterhaltsam noch erhellend. Ein wenig wie Leben eben. Man könnte sagen, dass Johannes Schrettle mit „Im Westen wird sie untergehen …“ dem Drama ein weiteres Post- vor die Nase geknallt hat. Um den Untergang des Abendlandes zu reflektieren, um über Kunst und Konsum, Leben und Arbeiten nachzudenken – ja, auch vor dem Hintergrund der bislang vergeblichen Ideensuche eines privaten Investors für die riesigen Reininghausgründe im Grazer Westen –, und um daraus wieder ein wenig gemeinschaftlichen Handlungs- und Spielraum für künftiges Tun zu gewinnen. Man könnte aber auch sagen, dass es bloß ein lauer Theaterabend war, während die Temperaturen draußen längst unter Null gefallen waren. Das ist das Problem mit der Sonne: Im Norden ist sie nie zu sehen …

Theater im Bahnhof, Fr, Sa, So 20.00


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