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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

Der destruktive Charakter ist jung und heiter“, schreibt Walter Benjamin. Nun ja. Unsereins ist allenfalls angeheitert. „Zerstören verjüngt, weil es die Spuren unseres eigenen Alterns aus dem Weg räumt.“ Das kann wieder gerade der nicht mehr ganz so junge Charakter sehr gut verstehen! Schon Friedrich Nietzsche wusste, wie man mit dem Hammer philosophiert, und auf die einzige Parole von Benjamins Heroen mit der Abrissbirne kann man sich ja eventuell über die Generationengrenzen hinweg verständigen: „Platz schaffen.“

Matthias „Semtex“ Dusini, der seinerseits nichts dagegen hätte, Schloss Schönbrunn durch ein Pandabärenfreigehege ersetzt zu sehen, hat sich unter Architekten und Architekturkritikern umgehört, welche Werke der werten Kollegen die denn gerne, äh, wegmachen würden. Da gibt es viel Naheliegendes (Haas-Haus, Hundertwasser, Horr-Stadion – Letzteres ein Vorschlag von Wolfgang Kralicek), aber auch die ein oder andere Überraschung. Redaktionsintern hat die Piazza Laska des Prater Entrees gewonnen. Wurmdobler würde gern mit der ganz großen Walze über den neugestalteten Elterleinplatz fahren, Klenk das Pinguingehege am Michaelerplatz zuschütten.

So viel Zerstörung?! Doch doch, das darf schon sein in einem Feuilleton, das allwöchentlich mit einer Enthusiasmuskolumne aufmacht. Und viele dürfen ja auch bleiben: Cary Grant zum Beispiel. Der hatte den Bogen ja wohl wirklich raus!


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