Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

Rudolf Burger begann als Linker. In den 80er-Jahren konnte man ihn in Vorträgen sagen hören, sein Werk sei nichts anderes als eine Fußnote zum Werk von Karl Marx. Damals agierte Burger im Wissenschaftsministerium der Hertha Firnberg als Beauftragter für sozial- und geisteswissenschaftliche Projekte. Der Intellektuelle war aber längst sichtbar, und später, 1979, habilitierte sich der studierte Physiker als Wissenschaftssoziologe. In Wahrheit war er Philosoph. Dass ihn die Karriere an die Hochschule für angewandte Kunst verschlug, die er als Rektor in den Status der Universität führte, war Zufall. Letztes Jahr wurde er emeritiert. Burger bleibt der öffentlich wahrnehmbare, intervenierende Essayist, der brillante bis zynische Polemiker.

In den 80er- und 90er-Jahren publizierte er viele seiner Essays, Polemiken und Interventionen in dieser Zeitschrift. Vom linken wandelte er sich allmählich zum rechten Denker, was seine Interventionen aber keineswegs uninteressanter machte. Eher steigerte es ihren Provokationswert. Der „antifaschistische Karneval“ und die Polemik gegen die „Irrtümer der Gedenkpolitik“ machten Eindruck.

Dass Burger mittlerweile als Hausgeist des Styria Verlags wirkt, versteht sich: Ein katholisches Pressehaus braucht fürs Geistige keinen Kaplan, sondern einen Agnostiker. Wenn wir auch manche These Burgers nicht teilen, sein Denkvermögen und seinen Stil respektieren wir. Am 8. Dezember wird Burger 70. Wir gratulieren!

Rudolf Burger als kultiger Denker auf dem Cover des Falter 33/1989


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