Kommentar

Das falsche Signal, oder: Die Wahrheit beginnt in Bernhard Kohls Kopf

Sport und Doping


Johann Skocek
Falter & Meinung | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

Besser, erwischt zu werden, als nicht alles zu probieren“, sagte Andreas Berger einmal. Er hält den österreichischen Rekord über 100 Meter (10,15 Sekunden, 1988 in Linz). Berger steigerte quasi über Nacht seine Leistungsfähigkeit, am 26. Juli 1993 jedoch wurde er knapp vor der WM in Stuttgart von Kontrolloren des Internationalen Leichtathletikverbandes erwischt: Doping mit Methan-Dienon. Zwei Tage später gestand er vor der ORF-Kamera. Seine drei Staffelkameraden schlossen sich ihm an.

Bernhard Kohl, 26, ist Radfahrer, Rauchfangkehrer und Scheißmichnix. Aus Kohl brach – anders als bei Berger – die Wahrheit erst mit Verzögerung und unter Tränen heraus. Vor der Rechtskommission der Nationalen Anti-Doping-Kommission NADA wollte er den Namen des Arztes, der ihm das Dopingpräparat CERA beschaffte, nicht nennen. Er wurde für zwei Jahre aus dem Radverkehr gezogen, mehr geht nicht. Die NADA hoffte vergeblich darauf, Kohl werde auspacken. Kohl hoffte vergeblich auf Strafminderung.

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