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Politik | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

Das Beste von Lendvai

Paul Lendvai, bekannt als Leiter des Europastudios im ORF, Herausgeber der Europäischen Rundschau, langjähriger Korrespondent der Financial Times, Kolumnist im Standard und einer der versiertesten Kenner Ost- und Mitteleuropas, legt keine Bilanz vor, sondern ein „Best of Lendvai“. Er beginnt mit der Erinnerung an jenen Tag, als er von der Existenz eines Konzentrationslagers in Gunskirchen erfuhr, das er nicht kannte. Dort endete jener Todesmarsch ungarischer Juden, dem der junge Lendvai nur durch die zufällige Freundlichkeit einer Hausmeisterin in Budapest knapp entkommen war.

Lendvai blieb in Ungarn, war Sozialist, dann KP-Mitglied und wurde schließlich von den Kommunisten eingesperrt. Die ganze Doppel- und Dreifachbödigkeit einer solchen Nachkriegsexistenz reflektiert Lendvai souverän, wenn er erzählt, wie der ungarische Geheimdienst versuchte, ihn anzuwerben, nachdem er (1957) nach Österreich geflohen war. Lendvai, das ist lebende, lebendige Zeitgeschichte: immer differenziert, schonungslos sich selbst gegenüber und gerade deswegen stets mit Gewinn zu lesen. At

Paul Lendvai: Best of Paul Lendvai. Ecowin Verlag, 271 S., € 19,95


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