Mediaforschung

Warum malt der Künstler Helnwein für den Klimaschutz?

Nachfragekolumne

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

Gottfried Helnweins jüngstes Werk ist nicht zu übersehen: Entlang des Naschmarkts prangt seit kurzem ein riesiges Wandgemälde. Es zeigt ein schlafendes Kind, fotorealistisch gemalt, in düsteren Blautönen, mit der verstörenden Inschrift „der lange atem wird kürzer“. Mit dieser ungewöhnlichen Aktion will der – von der letzten Regierung eingerichtete – Klimafonds für den Klimaschutz werben. Wie aber gelangt ein Helnwein auf eine Wiener Hauswand? Die Antwort: nicht so leicht.

Die Rechte an der Hauswand gehören der ehemaligen ORF-Journalistin und jetzigen Kommunikationsberaterin Nora Frey. Geld verdienen ließ sich mit der Fläche an prominenter Stelle nicht, weil der Wiener Denkmalschutz strenge Auflagen vorgibt. Die Wand gehört zu einem Jugendstilhaus, schnöde Werbemalerei entsprach nicht den Vorstellungen der Stilaufpasser. Es müsse schon etwas mit künstlerischem Anspruch sein.

Durch Zufall erfuhr Frey, dass der Klimafonds nach neuen Wegen suchte, um das Bewusstsein für Klimaveränderung zu stärken, und bot an, Helnwein zu fragen, ob er die Fläche nicht gestalten wolle. Der in Irland lebende Künstler, Vater von vier Kindern, war sofort bereit – und verzichtete für den guten Zweck auf sein Künstlerhonorar. Wie aber das Sujet auf 300 Quadratmeter weißen Verputz bringen? Die Lösung: Vier New Yorker Wandmaler pinselten fünf Tage lang Helnweins Vorlage originalgetreu in einer Acryl-Öl-Technik auf die Mauer. Kostenpunkt: 70.000 Euro.

Sechs Monate lang wird Helnweins schlafendes Kind Umweltsünder mahnen, danach läuft der Mietvertrag für die Wand aus. Klimafonds-Geschäftsführer Eveline Steinberger und Ingmar Höbarth suchen nach Sponsoren, um das Riesenplakat weiterleben zulassen. Obwohl: Wer würde einen Helnwein wirklich übermalen?


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