Kettensägenmassaker in der Stadt: Die Architektur steckt in einer Vertrauenskrise

Feuilleton | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

„Selbst die majestätischsten Städte sind von hässlichen Narben übersät“, schrieb unlängst der Architekturkritiker Nicolai Ouroussoff in der New York Times. „Die Abrissbirne wäre die beste Lösung.“ In New York ist es die einfallslose Hochhausarchitektur, aber auch in Wien stacheln neuere Gebäude den Zerstörungstrieb der Kritiker an (siehe Interview links). Und auch die Architekten selbst wären in Wien gerne ausschließlich neue Gebäude los (S. 28).

In der Architekturgeschichte markieren Abrisse ästhetische oder ideologische Umbrüche. Der kommunale Wohnkomplex Pruitt-Igoe in St. Louis, Missouri, wurde 1972 abgerissen; die Trabantenstadt symbolisiert das Scheitern des modernen Wohnungsbaus.

Stalin ließ 1931 die Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale sprengen, um einen Palast des Sowjets zu errichten. Die Regierun der DDR ließ das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Berliner Stadtschloss 1950 sprengen und baute später an seiner Stelle den Palast der Republik – der


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