Brechreiz in der Shoppingmall: ein Architekturmanifest der Biederkeit

Feuilleton | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

Abriss: Matthias Dusini

Der Architekturtheoretiker Georg Franck und die Linguistin Dorothea Franck machen sich zum Sprachrohr eines allgemeinen Unbehagens. Zu viel steht herum, bei dem dem Betrachter ein spontanes „Pfui!“ entfährt. Warum, fragen die beiden, wird Geschmack dennoch von der Theorie als nebensächlich abgetan?

Die Geschwister argumentieren, holprig in Sprache und Stil, mit zweifelhaften Kategorien. Die Wahrnehmung, schreiben sie, sei „süchtig nach Schönheit“, die Entwöhnung von ihr komme einer „Verkrüppelung“ gleich. Sie schreiben von „Evidenzerlebnissen schlagender Stimmigkeit“, in denen die sinnliche Fülle der Poesie sich von der Prosa des alltäglichen Bauens abhebt. Erkennen lasse sich Qualität etwa durch das Studium antiker Tempel. Shoppingmall, Reihenhaus, Brechreiz!

In ihrer Kulturkritik tauchen Allgemeinplätze der bildungsbürgerlichen Antimoderne auf, etwa die Verteidigung des Schönen gegen die Abstraktionen eines seelenlosen Funktionalismus.


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