Erst sterben, dann reden: „Rechnitz“ in München

Feuilleton | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

Das neue Stück von Elfriede Jelinek ist der sarkastische Bericht von einem NS-Massaker im Burgenland

Theaterkritik: Wolfgang Kralicek

Die Stimmung muss mörderisch gut gewesen sein. Während eines von Margit von Batthyány auf Schloss Rechnitz geschmissenen Fests, bei dem zahlreiche Nazibonzen geladen waren, wurden in der Nacht von 24. auf 25. März 1945 rund 180 ungarische Juden erschossen; sie waren zur Errichtung des „Südostwalls“ ins Südburgenland deportiert worden. Auch jene Zwangsarbeiter, die nach dem feuchtfröhlichen Massaker die Leichen verscharren mussten, wurden anschließend liquidiert.

Als zehn Tage später die Rote Armee in Rechnitz stand, hatten sich die Gräfin und die Haupttäter ins sichere Ausland abgesetzt. Auch von den Opfern fehlt immer noch jede Spur. Zahlreiche Grabungen rund um den sogenannten „Kreuzstadl“ – den mutmaßlichen Ort des Verbrechens – verliefen erfolglos. Nun hat sich auch Elfriede Jelinek in das Thema vergraben.

Eine monströse Geröllhalde

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