Hochzeit ohne Bräutigam

Steiermark | aus FALTER 49/08 vom 03.12.2008

Wie Tschetschenen in der Steiermark sich bemühen, ihre Traditionen am Leben zu erhalten

Reportage: Herwig G. Höller

So viel Verkehr hat das kleine Deutschfeistritz lange nicht mehr gesehen. An diesem spätherbstlichen Samstagnachmittag staut es sich inbesondere in der schmalen Rudolf-Klug-Gasse, dem Standort des lokalen Sensenmuseums. Ein überfallartiges Interesse an steirischer Industriegeschichte? Fehlanzeige. Tschetschenische Flüchtlinge feiern eine große Hochzeit. Die Braut, die mit ihren Eltern in Deutschfeistritz lebt, muss abgeholt und zur Feier nach Graz gebracht werden. Sie, ihre Angehörigen und „würdige“ Vertreter der Community in zwei angemieteten Stretch-Limousinen, mehr als zwei Dutzend Fahrzeuge folgen als Kolonne. Der Fahrstil ist schneidig-russisch. Nähe zur Brautkarosse bedeutet Ruhm, daher wird auf dem Weg nach Graz auch fleißig überholt.

Seit dem Ausbruch des Zweiten Tschetschenienkriegs 1999 – Tschetschenien ist nunmehr auch de facto wieder Teilrepublik


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