Kritik

Rachel Harrison: Trash as trash can

Lexikon | Nicole Scheyrer | aus FALTER 50/08 vom 10.12.2008

Was haben die Sportvergnügen führender Politiker mit zeitgenössischer Skulptur zu tun? Am Beginn der Ausstellung „Sunny Side Up“ von Rachel Harrison hängt ein Foto von Chinas Staatsoberhaupt Hu Jintao beim Ping-Pong-Spielen; weiter geht’s mit dem fischenden George W. Bush oder Henry Kissinger beim Bowlen. Die erfolgreiche US-Künstlerin integriert diese Zeitungsfotos in ihre skurrilen, organisch geformten Plastiken, die teilweise wie Persiflagen auf Franz West aussehen. Was aber an Wests Pappmascheeknödel erinnert, entpuppt sich als bemalter Zement. Außerdem integriert Harrison Alltagskitsch wie Schneemänner oder Plastikhühner in ihre Skulpturen, die oft auf Podesten aus Billigholz ruhen.

Ein bös-absurder Humor spricht aus diesen kruden Anordnungen. Immer wieder spielt die Bilderwelt der Medien hinein, die auch auf integrierten Miniscreens flimmert. Die gezeigten TV-Bilder führen zur öffentlichen Autozertrümmerung oder zur „Bike Week at Daytona“. Harrisons Kunst wirkt, als hätte sie nur im angeschwemmten kulturellen Unrat gefischt und diesen ganz willkürlich verwurstet. Ihren aktuellen Arbeiten fehlt jedoch die Pointe, wie sie Trashkunst von Paul McCarthy oder Isa Genzken stets besitzt.

Meyer Kainer, bis 13.1.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige