Neu im Kino

Remake eines Klassikers: The Women

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 50/08 vom 10.12.2008

Bevor es in George Cukors „The Women“ an die viel zu lange und bunte Modenschau von Stardesigner Adrian geht, wird ein Blick nicht nur auf die nächste Saison, sondern in die Zukunft angekündigt. Dann versammelt sich die Frauenriege rund um Norma Shearer, Rosalind Russell und Joan Crawford vor dem Laufsteg, und als Parade der Eitelkeiten ist Cukors Klassiker aus dem Jahr 1939 auch in Erinnerung geblieben: Reiche New Yorkerinnen mühen sich mit ihren untreuen und vor allem unsichtbaren Männern ab, zwischendurch wird gestritten und geheult, was das künstliche Ambiente hergibt. Der Blick in die Zukunft hätte ein Remake vorhersehen müssen.

Denn „The Women“ bietet ein Szenario, das angesichts der von Großstadt und Sex verseuchten späten Neunziger geradezu nach einem solchen verlangt – oftmals geplant und eine undankbare Aufgabe, der sich nun die als Fernsehautorin erprobte Diane English tapfer gestellt hat.

Immerhin hat Cukors hermetische Welt endlich ein paar große Löcher bekommen, durch die die Figuren – um Meg Ryan als betrogene Ehefrau scharen sich unter anderem Annette Bening als beste Freundin und Eva Mendes als böse Verführerin – nicht nur in den kurzen Dialogpausen Luft holen können. Im Zentrum steht auch nicht mehr die demütigende Rückgewinnung des Angetrauten – Sätze wie „Stolz, das ist ein Luxus, den sich eine Frau, die liebt, nicht leisten kann“ würden auch irgendwie irritieren –, sondern die Auseinandersetzung zwischen den Freundinnen. Doch nicht nur in New York hat alles seinen Preis: Bezahlen muss man mit schablonenhaften Nebenfiguren wie Jada Pinkett Smith als afroamerikanische Lesbe und mit jedem Auftritt der wie immer unsäglichen Bette Midler.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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