Theater

Stark gestartet: Die neue Soap am Schauspielhaus

Kritik

Lexikon | Hermann Götz | aus FALTER 50/08 vom 10.12.2008

Nino Haratischwili hat einen starken Text geschrieben

Sie stammt aus Georgien, die junge Hamburgerin mit dem schönen Namen Nino Haratischwili. Dem Schauspielhaus Graz bescherte sie einen Beitrag zur neuen Reihe „Global Housewives“, der einiges Lügen straft, was „eine Soap in sechs Folgen“ verspricht: „Die zweite Frau“, eine kantige Theaterskizze zum Thema Familie – konzentriert, zugespitzt und voll starker Bilder. Katharina Klar gibt die schwer pubertätskranke Tochter einer innerlich auch vom Krebs zerfressenen Mutter (Jaschka Lämmert), die eine Haushälterin (Mira Tscherne) einstellt, um den Laden zu übergeben. Und den Mann. Es ist ein zynischer Text, der nicht Partei ergreift, die zersetzende Macht der Worte auskostet und jedes Familienidyll per Voodoozauber vertreibt. Regisseur Christian Schulz hat die unsichtbaren Bande, die die drei aneinander fesseln, schlau durchs Stück gezogen, per Ton- und Videoeinspielung sind Abwesende stets gegenwärtig. Schade, dass der einmalige Abend nur einmalig war. Auch die starken Darstellerinnen hätten mehr verdient.

Nächste Folge (von David Gieselmann) am 30.1. 2009


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