Ausstellung

Ein Raum für zwei

Kritik

Lexikon | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 50/08 vom 10.12.2008

Bereits zum dritten Mal bietet das Forum Stadtpark zwei Künstlerinnen seinen doch großzügigen Hauptraum als „Plateau“ bzw. die Möglichkeit, ihr Werk im wechselseitig belebenden Spannungsverhältnis vorzustellen. Diesmal war Elsy Lahner als Kuratorin angehalten, die gezeigten Positionen auszuwählen und den Raum gerecht auf beide aufzuteilen. Mit Tina van Duyne und Birgit Knoechl hat sie zwei junge, in Wien arbeitende Künstlerinnen eingeladen, die sich zuvor gar nicht kannten und sich nun, thematisch wie formal, die Bälle zuspielen, als wären sie seit Jahren eng verbunden. Beide arbeiten am Thema Natur. Beide beziehen daraus ihre Formen, destillieren diese in Schwarz-Weiß und interessieren sich dennoch für gänzlich unterschiedliche Aspekte des Natürlichen. Knoechl vertraut auf ungebremstes Wachstum, indem sie morphologisch orientierte Scherenschnitte von Gewächsen fertigt, diese einerseits bedrohlich wuchern lässt, andererseits in eher liebevollen Arrangements zum Weiterwachsen anregt, mittels Lampe, die auch sonst so manche Winterdepression verdrängen könnte. Van Duyne archiviert Natur in hochpoetischen Strukturen, wenn sie Wolken oder Winterlandschaften fotografisch festhält, horizontal und vertikal spiegelt und also zu Fraktalen respektive Rohrschachtests verwandelt oder Naturalien – wie Insekten, Gräser, Blätter – leibhaftig ihrer Form nach konserviert, mit schwarz eingefärbtem Latex überzieht und anschließend einer vielschichtig stimmigen Systematik einverleibt. In der Mitte treffen Elemente aus beiden Werkkomplexen direkt aufeinander, was sicher weitere Feldforschungen anregen wird.

Forum Stadtpark, Di–So 14.00 bis 18.00, bis 11. 1.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige