Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 50/08 vom 10.12.2008

„Hören und Sehen vergehen, doch der ORF bleibt bestehen“

Der ORF war immer schon ein Thema für den Falter. An Anlässen fehlte es nie. Der ORF kündigte für 1989 gerade eine Gebührenerhöhung an. Was auch immer der Anlass war, die Themen gleichen sich nun schon seit Jahrzehnten.

Oliver Lehmann berichtete über eine ORF-Bürokratie, die Kreativität vernichtet. Wolf Lotter beschrieb den Familien- und Parteifamilienbetrieb ORF. „Über 20 Exparteisekretäre und -funktionäre verteilen sich in den zahlreichen Arbeitsstuben am Küniglberg“.

Betriebsrat Kurt Langbein, berichtet Lotter, habe einiges zu tun, um „die Rechte der im Haus beschäftigten Mitarbeiter gegen die Personalinteressen von Parteisekretariaten und ihnen verbundenen Interessenverbänden zu verteidigen“.

Klemens Polatschek konstatierte, in Europa habe sich die Zahl der von TV-Satelliten abgestrahlten Programme binnen vier Jahren von 37 auf 61 erhöht.

Werner Vogt, damals für die Grünen im ORF-Kuratorium, nahm sich bei der Beschreibung einer Kuratoriumssitzung kein Blatt vor den Mund. Brauchte er auch nicht, der rote und der schwarze Freundeskreis hatten schon vor den Sitzungen alles untereinander ausgemacht. „Am Ende war es wie immer: Die Freundeskreise mischten sich mit den Intendanten und Sekretären und lobten die Qualität der gereichten Speisen und Getränke. Marboe (Intendant Ernst Wolfram, Anm.) schnürte um Heidi (sic!) Schmidt herum. Ein paar kicherten kopfschüttelnd über Kellers (Heinrich, SPÖ-Zentralsekretär) jähen Abgang. Steinbauer (Heribert, Fraktionsführer der ÖVP im Kuratorium) fehlte. Wahrscheinlich überwachte er in einem Studio die Ausleuchtung von Alois Mock, die ja immer katastrophal ist.“

Erich Möchel interviewte Anchorman Robert Hochner, der sein Konzept eines angelsächsisch inspirierten Journalismus verteidigte. Hochner äußerte einen Satz, der heute eine gewisse, beklemmende Aktualität erhalten hat: Auf Reichweiten von über 90 Prozent angesprochen sagte er: „So wird es nicht bleiben. Damit soll nicht gesagt werden, dass der ORF dereinst ein kleiner Sender unter vielen privaten Giganten sein wird. Natürlich entwickeln wir Gegenstrategien.“ Das wenigstens tun sie noch immer beim ORF. Aber das Bewusstsein von Ewigkeit, das auf dem Titelblatt angedeutet war (siehe Titelzeile), ist auch nicht wegzukriegen. aT


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