Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 50/08 vom 10.12.2008

Die Süddeutsche Zeitung über den Krisenaspekt der universitären Ausbildung: „Die Finanzkrise ist auch eine Wissenskrise, sind doch die komplizierten Finanzprodukte und -geschäfte Auslöser der Krise. Ausgedacht haben sich diese Derivate begabte Professoren, Studenten und Absolventen. Das Berechnen solcher finanzmathematischen Konstrukte ist nicht einfach. Steve Shreve, ein Großmeister des Rechnens, schrieb: Das Problem, also die gegenwärtige Krise, könne nur behoben werden, wenn wir noch umfassender und noch genauer rechneten. Diese Sichtweise verkennt aber ein Problem: Um auf den Finanzmärkten erfolgreich zu sein, ist nicht das Wissen selbst entscheidend, sondern die richtige Selbsteinschätzung. Diese zentrale Tatsache ist durch die Wirtschaftsforschung immer wieder belegt worden. Kurze und einseitige Ausbildungsprogramme wie ein- oder zweijährige MBA-Studien können dazu führen, dass zu schnell eine Art Scheinsicherheit entsteht.“ Der Publizist Claus Koch merkt dazu an: „Wenn nach jenem ersten Crash der Glaube ans Credo dieser Speerspitze der Wissensgesellschaft noch einigermaßen hochgehalten werden konnte, zerbrechen nun die Grundlagen dieses inzüchtigen Dogmas. Fast jede ehrgeizige Universität in Europa musste ihm mehrere üppige Lehrstühle zur Opfergabe bringen, die häufig nach großzügigen Sponsoren benannt wurden. Wie gut, dass zur gleichen Zeit die Sozialwissenschaften abgeschmolzen werden konnten, das machte Platz.“ F

Quellen:

„Die Wissenskrise“, Süddeutsche Zeitung, 4. Dezember 2008

Claus Koch, Der Neue Phosphoros, 6. Dezember 2008 ( www.claus-koch.com)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige