Kommentar

Sanfter Elektroschock? Wie ein „Kurier“-Test in die Irre führt

Justiz

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 50/08 vom 10.12.2008

Der FPÖ-Abgeordnete Harald Vilimsky und ein Kurier-Redakteur ließen sich mit einem „Taser“ beschießen. Dieses Elektroschockgerät teilt einen starken Stromstoß aus, Schmerzen und Krämpfe sind die Folge.

Vilimsky, der auf dem Kurier-Online-Video wie ein Stier brüllte, sagte danach: „Was ein Nationalratsabgeordneter aushält, muss doch auch ein Häftling ertragen“.

Auch die Justizwache fordert den Einsatz von Tasern in Gefängnissen. Es sei doch besser auf Gewalttäter mit Strom zu schießen, anstatt mit richtigen Patronen. Es gebe überdies Gutachten, die die Harmlosigkeit der Waffe bestätigen.

Das Justizministerium hat die Elektroschocker mit gutem Grund verboten – und dabei sollte es bleiben. Es gibt nämlich nicht nur die Kurier-Videos, sondern auch YouTube. Auf der Videoplattform sieht man, wie leichtfertig der Taser von Beamten in anderen Staaten im Alltag eingesetzt wird (etwa gegen Verkehrssünder und Verwirrte) und wie katastrophal das oft endet. 300 Taser-Tote zählen die USA seit dem Jahr 2003. Sie stürzten unglücklich oder erlitten Hertzattacken

Der Kurier-Test ist überdies manipulativ. Sowohl Vilimsky, als auch der Redakteur werden bei dem Selbstversuch von Beamten im Sturz aufgefangen, sie fallen sanft auf eine Matratze, eine Brille schützt ihre Augen. Auf YouTube sieht man die Realität. Die Beschossenen knallen ungeschützt mit dem Gesicht auf den Boden.

Erst wenn Vilimsky sich in einer mit scharfkantigen Möbeln ausgestatteten Zelle ohne Matratze, ohne Schutzbrille und ohne Helfer, die ihn auffangen, mit Strom befeuern ließe, käme der Test annähernd an die Realität heran. Ob der blaue Abenteurer dazu bereit ist? F


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