„Das ist eine Krise der westlichen Moral“

Politik | aus FALTER 50/08 vom 10.12.2008

Tschechiens Außenminister Karel Schwarzenberg über Rezessionsängste im Osten und den Provinzialismus in der Prager und Wiener Politik

Gespräch: Barbara Tóth

Karel Schwarzenberg kommt in Zivil. Braune Cordhose, Pfeife in der Innentasche seines ledernen Gilets. Für das Interview, das in der ganz in sterilem Weiß gehaltenen Lobby des Prager Designhotels Josef stattfindet, nimmt er sich eine Stunde Zeit. Dazu trinkt er einen „Piccolo“, einen kleinen Espresso, ein Glas Wasser und verlangt nach einem „popelnik“, einem Aschenbecher. Geraucht werden darf hier eigentlich nicht. Aber für den tschechischen Außenminister macht man eine Ausnahme.

Falter: In Tschechien würden einer Umfrage zufolge 20 Prozent der Bevölkerung die kommunistische Partei verbieten, jeder Vierte will sie nicht in der Regierung sehen. Ist das Erbe des Eisernen Vorhangs, 20

Jahre nach 1989, damit überwunden?

Karel Schwarzenberg: Natürlich nicht. Aufarbeitungsprozesse in totalitären Systemen verlaufen überall


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