Der Trost von Dingen

Feuilleton | aus FALTER 50/08 vom 10.12.2008

Eine Ausstellung über Raubkunst erzählt düstere Geschichten mit einem Happy End

Rezension: Matthias Dusini

Der britische Anthropologe Daniel Miller untersuchte eineinhalb Jahre lang die Haushalte einer Londoner Straße. Dabei lernte er liebevoll geschmückte Christbäume, Sammlungen von Plastikenten und das leere Wohnzimmer von George, dem traurigen Loser, kennen. „Dinge formen Subjekte“, schreibt Miller in seinem neuen Buch „The Comfort of Things“. Was, wenn diese Dinge, an denen viele Erinnerungen oder sogar der Geruch der alten Heimat haften, von heute auf morgen weg sind?

Die Ausstellung „Recollecting – Raub und Restitution“ im Museum für angewandte Kunst (Mak) demonstriert nun die identitätsstiftende, über Jahrzehnte nachwirkende Kraft von Dingen: Ein Buch, ein Fotoalbum oder ein Gemälde kann von Verlust, Demütigung und Hoffnung erzählen.

Die Plünderung jüdischen Vermögens während der Nazizeit ist der historische Hintergrund; sie machte bekanntlich auch vor Kunstsammlungen

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