Die Toten sind so geschwätzig wie wir

Feuilleton | aus FALTER 50/08 vom 10.12.2008

In seinem Roman „Pedro Páramo“ zeichnet Juan Rulfo ein düsteres Bild der mexikanischen Revolution

Buchkritik: Karl-Markus Gauss

Es ist ein Dorf ohne Geräusche und Farben, in das der junge Juan Presciado kommt, um seinen Vater zu suchen. Sterbend hatte ihm das seine Mutter aufgetragen und hinzugefügt: „Bettle ihn ja nicht an. Fordere, was uns zusteht.“ Doch in Comala, im Norden Mexikos, findet Juan nur menschenverlassene Straßen vor, durch die ein giftiger Hauch zieht, und die Schutthaufen zerfallener Häuser.

Die paar Leute, die er trifft, benehmen sich seltsam genug, eine alte Frau behauptet gar, „dass ich um ein Haar deine Mutter geworden wäre“. Da vernimmt er in der gespenstischen Stille dieses ferne, vielstimmige Murmeln. Es dauert eine Weile, bis man lesend begreift, dass Comala ein Dorf der Toten ist und Juan sich unter den Geistern der Abgeschiedenen bewegt. Und es dauert noch eine Weile, bis man dahinterkommt, wer diese Geschichte einer vollständigen Erosion –

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