Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 50/08 vom 10.12.2008

Und was ist mit den Gehetzten?

Michael Winter wurde verurteilt, weil er – jetzt darf man es ja sagen – hetzerische Aussagen über Muslime und Schafe tätigte. Drei Monate bedingt fasste der Obmann des Rings Freiheitlicher Jugend dafür aus. Die Folgen für den Hetzer? Außer der bedingten Haftstrafe keine. Winter bleibt RFJ-Obmann und stellvertretender Bezirksvorsteher in Straßgang.

Am 22. Jänner steht auch Mutter Susanne vor Gericht. Wegen Verhetzung und Herabwürdigung religiöser Lehren. Im Graz-Wahlkampf meinte Winter über den Propheten Mohammed bekanntlich, der wäre „im heutigen System ein Kinderschänder“. Für Verhetzung drohen der Neo-Nationalrätin bis zu zwei Jahren Haft, wegen Herabwürdigung religiöser Lehren sechs Monate. Das Verfahren gegen sie deutet Winter als „Polit-Hatz“. Was erwartet die solcherart Gehatzte schlimmstenfalls? Wandert Winter für mehr als ein Jahr hinter Gitter, ist sie ihren Sitz im Nationalrat los. Wird sie freigesprochen, bekommt eine geringere Haftstrafe oder nur eine bedingte Strafe, kann sie ihr Mandat weiter ausüben, es sei denn, sie tritt freiwillig zurück. Geht es also im gleichen Ton weiter? Mario Eustacchio, Winters Nachfolger als Stadtrat, meinte jedenfalls, die Aussagen der Familie Winter seien „Teil der Meinungsfreiheit“.

Doch was geschieht mit den Gehetzten? Sie müssen ertragen, dass Winter ihren Propheten einen Kinderschänder genannt und von einem „islamischen Einwanderungstsunami über Graz“ gesprochen hat. Sie müssen aushalten, dass ihnen die Winters Sodomie unterstellten und dass sie deshalb auf der Straße noch ein wenig schiefer angeschaut werden. Für die Familie Winter bleiben die Folgen überschaubar, für die Opfer nicht.

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige