Gottesverehrung im niedlichen Format

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 51/08 vom 17.12.2008

Ihr Kinderlein kommet: zwei Krippenausstellungen in Wien

Erst im 4. Jahrhundert wurde die Geburt Jesu auf den 25. Dezember festgelegt. Mit der Fixierung dieses Datums entstand auch der Wunsch, den Geburtsort des Heilands bildlich darzustellen. Auf die Idee, das winzige „Christkindl“ umgeben von Königen, Hirten, Ochs und Esel in einer Weihnachtskrippe zu versammeln, kam man jedoch erst im 15. Jahrhundert. Franziskaner und Jesuiten benützten diese Miniaturen für die Vermittlung des Weihnachtsevangeliums.

Am Beginn der Schau „Weihnachtskrippen – Spiegelbilder vergangener Lebenswelten“ im Museum für Volkskunde steht eine prächtige Kastenkrippe aus dem Besitz der Familie Hohenlohe. Filigrane Brücken, Zäune und Häuschen ziehen sich dort entlang einer Berglandschaft. Glimmersteine verleihen dem mit Figuren bevölkerten Krippenberg eine festliche Aura. Aus den Kirchen und Adelshäusern hielten die Weihnachtskrippen im Verlauf des 18. Jahrhunderts langsam Einzug in die bürgerlichen Haushalte.

Die mit unendlicher Detailliebe hergestellten Dioramen werden gemeinsam mit Alltagsobjekten und Arbeitsgeräten aus vergangenen Zeiten präsentiert. An die 20 Handwerksberufe sind etwa in der geschnitzten Rinner Krippe von 1760 zu sehen. Andere Miniaturen zeigen die „Heilige Familie bei der Arbeit“ oder die Hochzeit von Kanaan, bei der Jesus Wunder wirkte.

Wie das „Baby Jesus“ in unterschiedlichen Kulturen lächelt, präsentiert eine Schau im Dommuseum. Von der Perlmuttkrippe aus Israel über peruanische Kalebassen- und philippinische Muschelfiguren bis hin zu Steinkrippen der Inuits reicht dort der Bogen. Im Ei eines Emus findet das Jesuskinderl ebenso Platz wie in einer Kokosnuss. Und eine altindische Krippe mit zahllosen Figuren und Tierchen nimmt sich fast wie eine hinduistische Anbetungsszene aus.

Museum für Volkskunde, bis 1.2.;

Dommuseum, bis 28.2.


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