Kritiken

Ein kleines graues Denkmal für Friedrich Zawrel

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 51/08 vom 17.12.2008

Die Probebühne der Josefstadt wurde eröffnet, aber nach Feiern war niemandem zumute. Friedrich Zawrel wurde als Kind in der Wiener NS-Klinik am Spiegelgrund gequält und als Kleindieb später erneut mit seinem nationalsozialistischen Peiniger Heinrich Gross, der der Republik inzwischen als psychiatrischer Gerichtsgutachter diente, konfrontiert. Aus Zawrels Leben hat Stefan Geszti „In der Psychiatrie ist es nicht so schön …“ gezimmert – ein Stück wie ein kleines graues Denkmal. Dieses ist zwar nicht so elegant wie der schwarze Kubus der neuen Probebühne, dafür lebensnah und unprätentiös. Rafael Schuchter trifft den wienerischen Tonfall eines sich nach Bildung und Gerechtigkeit sehnenden Menschen, der seine Würde, obwohl vielfach gebrochen, niemals verlor. Heinrich Gross wurde für seine Gräueltaten nie bestraft. Friedrich Zawrel hat zumindest die Gerechtigkeit erfahren, dass seine wahre Geschichte noch zu seinen Lebzeiten öffentlich gemacht wird.

Josefstadt-Probebühne, Mi 17.12. 20.00


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