Ohren auf!

Sammelkritik


Klaus Nüchtern
Lexikon | aus FALTER 51/08 vom 17.12.2008

Atomic war in den 70ern das Gegenteil von Blizzard (David Zwilling vs. Hansi Hinterseer!), seit 1999 ist es der Name eines norwegischen Quintetts, das so einigermaßen das Gegenteil von dem verkörpert, was man im Jazz gemeinhin unter „Scandinavian Sound“ versteht. Atomic, das sind die Herren Fredrik Ljunkvist, Magnus Broo, Håvard Wiik, Ingebirgt Håker Flaten und Paal Nilssen-Love (was für Namen!), und gemeinsam sind sie ausgezogen, die Nebel selbstgenügsamer Soundesoterik wegzublasen und dem Jazz mit dem Reibeisen zu Leibe zu rücken.

Aber halt! Wir wollen aus Freude an der Polarisierung auch nicht übers Ziel schießen. Gewiss, Atomic vermögen ein beachtliches Energiepotenzial zu entfesseln – wie vor allem die Live-CD belegt, wo zum Beispiel auf „Painbody“ (dessen Dynamik an Joe Zawinuls „Directions“ denken lässt) das große Postabgehen zelebriert wird. Insgesamt besticht das Quintett auf „Retrograde“ (Jazzland/Universal) aber nicht zuletzt durch das breite Spektrum

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