Kommentar

Der Barbar und die Bibliothek: Wie ein Architekt die Welt sieht

Architekturdebatte

Falter & Meinung | Joachim Riedl | aus FALTER 51/08 vom 17.12.2008

Wie Recht sie hatten, der Architekt Hermann Czech und seine Kollegen, als sie im Falter forderten: Her mit der Abrissbirne! Bei den vielen grauenhaften Kästen fällt die Wahl schwer, welches Gebäude zuerst da-ran glauben soll. Haas-Haus? Media-Tower? Alle Türme am Donaustrand? Egal, Krieg den Protzpalästen!

Interessant ist allerdings, welche Prioritäten Czech setzt. Er schlug vor, das Hauptgebäude der Wiener Bücherei möge weichen, weil es einer architektonischen Idealvorstellung im Weg steht. Welch barbarische Einstellung.

Diese Hauptbücherei liegt wie ein gestrandeter Ozeanriese über der U6, links und rechts rauscht der Großstadtverkehr über den Gürtel. Auf der einen Seite dieser nur schwer überwindbaren, radialen Schneise, welche die Vorstadtviertel von den inneren Bezirken trennt, haust das Migrationsproletariat, auf der anderen Seite liegt die Idylle der Boboviller. Hier die Mehrleister des Kulturlebens, dort das bildungsferne Milieu.

Genau an dieser Schnittstelle hat der


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