Kommentar

Subventionen für Off-Bühnen: clever, smart und transparent

Theater

Falter & Meinung | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 51/08 vom 17.12.2008

Vorige Woche wurde bekannt, welche Wiener Off-Theater in den nächsten vier Jahren in den Genuss der sogenannten Konzeptförderung kommen (siehe auch Seiten 25 und 37). Die von Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny eingesetzte Jury hat ihren Job clever und smart erledigt.

Erstens erklärte sie sich nicht dafür zuständig, eine mehr infrastrukturell als künstlerisch unverzichtbare Institution wie Vienna’s English Theatre zu fördern. Die Stadt wird diese Bühne künftig aus anderen Töpfen finanzieren müssen, wodurch mehr Geld für neue Theaterkunst frei wird.

Zweitens hat man dem Problembären Erwin Piplits zwei Kuratoren in seinen Bau gesetzt. Die Choreografin Rose Breuss und der Komponist Hannes Löschel bekommen eigene Budgets und werden im Odeon je sechs Wochen Programm (Tanz bzw. Konzerte) machen. Damit wird einer der schönsten Theaterräume deutlich öfter bespielt werden als bisher.

Drittens hat man Dieter Haspel, den Prinzipal des in die Jahre gekommenen Ensemble Theaters am Petersplatz, offenbar endlich so weit gebracht, sich mit einem geordneten Rückzug anzufreunden. Die Regisseure Ali M. Abdullah und Harald Posch, die mit ihren Drama-X-Projekten zu den Aktivposten der Szene zählen, sollen das Ensemble Theater zunächst zwei Jahre gemeinsam mit Haspel leiten und dann ganz übernehmen.

Man muss nicht mit allen Entscheidungen der Jury einverstanden sein. Aber das war immer so, und solange nicht unbegrenzt viel Geld vorhanden ist, wird es auch so bleiben. Neu ist, dass die Entscheidungen jetzt transparent gemacht und öffentlich begründet werden. Allein das ist ein Fortschritt. Den Rest werden die nächsten vier Jahre weisen.


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