„Europa hat Angst vor uns Barbaren“

Politik | aus FALTER 51/08 vom 17.12.2008

Die kroatische Schriftstellerin Slavenka Drakulic´ über Schikanen, Chancen und Hoffnungen diesseits der Schengengrenze

Gespräch: Florian Klenk

Es gibt wenige Intellektuelle, die über Osteuropa so Auskunft geben können, wie die derzeit in Wien lebende Publizistin Slavenka Drakulic´. Sie wagt sich an ein großes Projekt: ein Reportagebuch über Nationalismus in Osteuropa. Drakulic´ macht dabei, was viele Journalisten verlernt haben: Sie reist, vergleicht, beobachtet, nimmt sich Zeit. Das auf Englisch geführte Interview fand im Institut für die Wissenschaft vom Menschen statt, wo Drakulic´ derzeit forscht.

Falter: Frau Drakulic´, vor einem Jahr ist die Schengengrenze nach Osten gerückt. Was hat sich für Sie als Kroatin verändert?

Slavenka Drakulic´: Slowenien bewacht nun die EU-Grenze wie ein Heiligtum. Es ist mitunter sehr demütigend. Kürzlich fuhr ich mit der Bahn, eine junge slowenische Polizistin kontrollierte meinen kroatischen Pass und fragte: „Wohin fahren Sie?“ Ich


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