„Ich bin gar nicht so traditionell!“

Feuilleton | aus FALTER 51/08 vom 17.12.2008

Der Pianist Alfred Brendel spricht über seine Lyrik, sein Klavierspiel und seinen Abschied vom Konzertbetrieb

Interview: Armin Thurnher

Alfred Brendel ist einer der bedeutendsten Pianisten überhaupt. Seit seine Absicht bekannt wurde, am 18. Dezember in Wien seine Karriere als öffentlicher Pianist zu beenden, begleitet ihn ein großer Abschiedsseufzer der Kritik bei seiner Tournee durch die großen Säle in aller Welt. Wie kein anderer Pianist hat Brendel es verstanden, seine Kunst immer weiter zu entwickeln, sie zu intellektualisieren, aber seine Erkenntnisgewinne immer sinnlich darzustellen, also hörbar zu machen. Er tritt somit auf dem Höhepunkt seiner Karriere ab, heiter, gelassen und voller Zukunftspläne, wie das folgende Gespräch zeigt, das mit Brendels Lyrik beginnt, sich aber schnell der Musik zuwendet.

Falter: Herr Brendel, lassen Sie uns über Ihre Gedichte reden. Sie sagen, das erste sei Ihnen im Traum im Flugzeug nach Japan zugeflogen.

Alfred Brendel: Im Halbschlaf! Der Halbschlaf

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