Alfred Brendel als Lehrer

Feuilleton | aus FALTER 51/08 vom 17.12.2008

Der Wiener Pianist und Brendel-Schüler Till Fellner sammelte Lernerfahrungen mit dem Meister

Würdigung: Till Fellner

Viele Künstler scheuen den akademischen Lehrbetrieb. Sei es, dass sie keine innere Berufung zum Unterrichten verspüren, zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind oder ganz einfach den unmäßigen bürokratischen Aufwand verachten, der so oft mit einer pädagogischen Tätigkeit einhergeht.

Alfred Brendel hat sich stets für die Arbeit junger Musiker interessiert und einige wenige über einen längeren Zeitraum hinweg privat unterrichtet, etwa Imogen Cooper, Paul Lewis, neuerdings den phänomenal begabten Kit Armstrong. Selbst in jungen Jahren ein musikalischer Außenseiter und weitgehend Autodidakt, erwartet Brendel auch von seinen Schülern eine gewisse Selbstständigkeit. Seine erste Regel lautet: „Misstrau allen Regeln!“

Im Sommer 1990 bot sich mir die Gelegenheit, Alfred Brendel in Grafenegg kennenzulernen. Ich spielte den ersten Satz der „Appassionata“ und Teile


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