Exotik in der Gegenwart

Feuilleton | aus FALTER 51/08 vom 17.12.2008

Der Ethnologe Karl-Heinz Kohl stattet dem neuen Völkerkundemuseum einen kritischen Besuch ab

Aufgezeichnet von: Matthias Dusini

Mitte November eröffnete das Museum für Völkerkunde (MVK) die erste Abteilung seiner Schausammlung. Bei der Vernissage zitierte Generaldirektor Wilfried Seipel ein Gedicht Friedrich Schillers: „Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen.“

Der ebenfalls anwesende deutsche Ethnologe Karl-Heinz Kohl runzelte die Stirn. Schiller und die Ethnologie? Bei dem deutschen Dichter stehen die „rohen Völkerstämme“ um den europäischen Herrn der Welt herum wie „Kinder verschiednen Alters um einen Erwachsenen“.

Kohl erklärt sich den Fauxpas aus der institutionellen Hierarchie: „Hier oben ist die Kunst, da unten die Ethnologie.“ Der Leiter des Kunsthistorischen Museums besucht seine Kolonialabteilung.

Kohl weilt ein Gastsemester lang am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien. Unlängst kritisierte er,


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