Phettbergs Predigtdienst

Wahala, Gott sei Dank hattest du keine drei „l“

Kolumnen | aus FALTER 51/08 vom 17.12.2008

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Das Wort „Kunst“ verbiete ich mir generell! Alles erwuchs mir aus Nichtkönnen und Faulheit. Natürlich sind Heterofrauen auf Männer aus. Selbst jetzt noch, im Sechsundfünfzigsten, könnt ich sie gewinnen, noch dazu, wo ich nimmer so blad bin, kann ich mich ihrer nicht erwehren. Doch ich bin wiederum Typen in versauten Bluejeans verfallen, die voller Feinsinn wären. Aber die sind weit, kilometerweit weg. Und wenn ich immer um 19.50 Uhr schlafen geh ...

Als mir nicht und nicht der Name Johannes Wahala einfiel und ich in eisigster Kälte die trostlose Windmühlgasse auf und ab rannte. Ich wurde ja vor ca. 3, 4 Wochen von ihm angerufen, ich möge doch zum zehnjährigen Gründungsjubiläum kommen. Er hat nun den Kardinal überwunden und feiere Zehnjahre freies Berufsleben, des Psychotherapie-Existierens im Ega in der Windmühlgasse. Ich merkte aber eisern, ich muss in die ehemalige AZ, wo eben jetzt vis-à vis die Beratungsstelle Wahalas sei. Das Tiefe in mir schrieb aber das höllische Wort Walhalla mit drei „l“, wohin die Nazis immer gepilgert sind. Und ich fand in der Nervosität das mir bekannte Foto Johannes Wahalas nicht und nirgends. Wir erleben nun eine Psychotherapie live. Meine Angst vor Sex?

Ich hatte mich äußerst fein gemacht und fror in der Windmühlgasse. Ich läutete bei allen Wohnungen vis-à-vis vom ehemaligen AZ-Haus, wo ich schon einmal vis-à-vis dem Johannes saß. Aber es war eiskalt und zugesperrt. Also lag ich um kurz nach neun im Bett und schlief. Mein Himmelreich allein im Bett und büseln? Ich flehe also Johannes Wahala an, mir ja nicht böse zu sein und mir im Geiste eine Rechnung auszuschreiben, und diese mir hiemit zu schenken.

Als ich bei der Vorstellung der „Hundert Hennen“ in Zürich war, wohnte ich im Hotel Walhalla, da war ein Attraktiver, der Interesse an S/M bekundete. Und es hätte sich was anbahnen können, wenn ich ein paar Tage länger hätte bleiben können. Regieren – sei es eine Stadt oder einen Staat – heißt für alle Arbeit und Sättigung. Nicht Sex. Das gehört noch nicht zu den Aufgaben – Gott sei Dank! – des Staates. Damit ich ja nicht falsch verstanden werde. Doch es wäre so gut, wenn es ein Formular der Neigung (!) auch staatlicherseits gäbe.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige