Fragen Sie Frau Andrea

Postum, posthum, wie denn, was denn?

Kolumnen | aus FALTER 51/08 vom 17.12.2008

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

auf Seite 30 des letzten Falter verwendet Sebastian Fasthuber den Ausdruck „posthum“ zur Bezeichnung eines nach dem Tode stattgefundenen Ereignisses; vier Seiten weiter meint Karl-Markus Gauss, der gleiche Begriff würde sich „postum“ schreiben. Nachdem mir vor Jahren die Halskabel schwollen, als Sven Gächter im profil ungestraft „postum“ schrieb, kommen mir langsam Zweifel, was nun richtig ist. Leitet sich das Wort von „post hum...“ für „nach dem Leben“ oder von „ad postum“ für „nachgeordnet“ ab? Oder haben die Schweizer ihre eigene Deutung des Lateinischen, die sie auch noch missionarisch zu verbreiten tendieren? Bitte um rechtschreiberische Aufklärung,

Barbara Peutz, Grafenwörth, NÖ

Liebe Barbara,

wie so oft ist die Wahrheit noch ein klitzekleines Alzerl komplexer. Trotz Sorge um das Anschwellen Ihrer Halskabel möchte ich Sie damit konfrontieren, dass beide Schreibweisen korrekt sind und auch beide das Gleiche meinen. Ich ersuche, die Kollegen Fasthuber, Gauss und Gächter sowie alle beteiligten Redakteure und Lektoren vom Vorwurf der Unrechtschreibung freizusprechen.

Das Adjektiv postum, für, nachgelassen‘,, nach dem Tode veröffentlicht‘ oder, nach dem Ableben geehrt‘ kommt aus dem Lateinischen. Postumus ist der Superlativ zu posterus (nachfolgend) und kann küchenlateinisch mit nachfolgendst übersetzt werden. Posthumus (englisch posthumous) ist eine gängige Nebenform des Eigenschaftsworts, es schließt volksetymologisch an humus, das lateinische Wort für Erde, und humare, dasjenige für beerdigen an.

Postum/posthum kennen Historiker auch als Namenszusatz für Sprösslinge, die innerhalb einer Frist von neun Monaten von der Witwe eines Verstorbenen zur Welt gebracht wurden. Ladislaus Postumus (englisch Ladislaus the Posthumous, tschechisch Ladislav Pohrobek), Herzog von Österreich, König von Böhmen und König von Ungarn gilt als solch ein Nachfolgenster. Der Habsburgerspross wurde knapp vier Monate nach dem Tod seines Vaters Albrecht V. am 22. Februar 1440 in Komarno geboren. Sehr viel postumer, aber von anderen Eltern, sollten in dem Donaustädtchen zwischen Ungarn und der Slowakei Franz Lehár und Theodor Körner das Licht der Welt erblicken.


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