Kritik

Fast kein Theater: Vatertag im Vestibül

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 52/08 vom 23.12.2008

Joachim Meyerhoff vor seinem Vater

Die Serie "Alle Toten fliegen hoch", die der Burgschauspieler Joachim Meyerhoff im Vestibül des Burgtheaters veranstaltet, ist ein merkwürdiges Format. Meyerhoff spielt nicht, sondern sitzt in einem Fauteuil und erzählt Anekdoten aus seinem Leben. Eigentlich erzählt er nicht einmal: Er liest seine recht kunstlos formulierten Erinnerungen von Manuskriptseiten ab. Die vierte Folge heißt "Theorie und Praxis" und ist Meyerhoffs Vater gewidmet, der sein Leben theoretisch besser im Griff hatte als praktisch. Die durch Super-8-Filme und Bücher aus Papas pittoresk sortierter Bibliothek beglaubigten Geschichten sind zum Teil hochkomisch und manchmal sehr intim. Literarisch und szenisch ist der Abend so sparsam gestaltet, dass man kaum von Theater sprechen kann. Wäre das alles erfunden, wäre es genial. Es ist aber nicht erfunden. Oder? Wie gesagt: merkwürdig.

Burgtheater, Vestibül, 30.12., 20.30


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige