Kritik

Eintauchen ins tiefe Schwarz

Lexikon | aus FALTER 52/08 vom 23.12.2008

Meine Malerei demonstriert nichts, sondern gibt der erregten Wahrnehmung Raum", meint der 1942 geborene Künstler Günter Umberg zu seiner reduzierten Bildkunst, die derzeit in der Galerie nächst St. Stephan zu sehen ist. What you see is what you get: Umberg zeigt monochrome Gemälde in Schwarz und Grün und in unterschiedlichen Formaten, die gemeinsam arrangiert werden. Jedes Bild ist auf einem sockelartigen Untergrund angebracht und die Abstände zur Wand sind verschieden tief. Das ergibt einen zusätzlichen visuellen Reiz und lockt den Betrachter, näher zu treten. Umbergs analytische Malerei entwickelt auf diese Weise eine räumliche Qualität. Eine kleine Dramatisierung erhält die Schau durch eine Passage, die der Künstler von einem Raum in einen anderen gebaut hat. Nach Durchschreiten dieses Gangs erwarten den neugierig gemachten Besucher jedoch nur weitere von Umbergs Bildern.

Die zweite Ausstellung der Galerie zeigt intelligent und reizvoll gemachte Filme von Aneta Grzeszykowska, die 2006 als Artist-in-Residence von Kulturkontakt in Wien war. Die polnische Künstlerin, Jahrgang 1974, verwendet analoges Trickfilmmaterial ebenso wie Computeranimation. Zu Beginn ihres Films "Headache" taucht sie selbst nackt mit einer Zündschnur im Mund auf. Nach der vermeintlichen "Sprengung" verhalten sich die abgelösten Arme und Beine autonom, interagieren vor schwarzem Hintergrund tänzerisch und suchen nach dem Rest des Körpers. Mit ihrem surrealem Humor und der perfekten Machart kann diese Filmperformance nur faszinieren. "Black", der zweite Film der Künstlerin, zeigt den Körper der Künstlerin bei einer Reise durch einen undefinierbaren schwarzen Raum. nS

Galerie nächst St. Stephan, bis 31.1.


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