Kritik

Modernistischer Abstraktion im Duett

Lexikon | aus FALTER 52/08 vom 23.12.2008

Der in Berlin lebende peruanische Künstler Armando Andrade Tudela stellt eindeutig den Künstlertypus des Sucher-Finders dar. Ohne strengen Masterplan versammelt er in der Galerie Krobath Wimmer unterschiedliche Arbeiten, die ihre modernistische Formensprache miteinander verbindet. Zur Ausstellung gehört etwa ein strukturalistischer Animationsfilm, in dem Tudela unterschiedliche Grauwerte für abstrakte Symbole nutzt. In anderen Arbeiten überlagert der 1975 geborene Künstler ornamenthafte Kugelschreiberzeichnungen oder Schichten von gemustertem Papier. In der Vergangenheit hat Tudela oft auf lateinamerikanische Spezifika zurückgegriffen, zum Beispiel Muster auf peruanischen Lkws. Zu den aktuellen Arbeiten gehört auch eine Pyramide aus einem Stück Holz auf einem Podest, ein geschnitzter Sonnenuntergang inklusive. Ein Tribut an Wien könnte die Plastik aus Stuhlgeflecht darstellen, die eindeutig an das Möbeldesign der Firma Thonet mahnt.

Im zweiten Galerieraum in der benachbarten Nibelungengasse ist eine Schau des Wieners Florian Pumhösl zu sehen, der im Gegensatz zu Tudela eine stringente Gesamtkonzeption vorlegt. Den Ausgangspunkt für die gezeigten Arbeiten bildet ein japanischer Musterkatalog für Damenkleidung aus dem 17. Jahrhundert. Pumhösl übersetzt dieses Buch in einen Animationsfilm, der Fragmente der Schnittzeichnungen abstrahiert ablaufen lässt. Zusätzlich zeigt der Künstler Hinterglasgemälde, deren geometrische Kürzel ebenfalls aus der Vorlage stammen. Formal auch ohne das Wissen um japanische Schneiderkunst höchst ansprechend: die (nach Muster) geschnittenen Glasteile, die Pumhösl auf schwarzen Wandtafeln postiert. NS

Galerie Krobath Wimmer, bis 14.1.


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