Kunst Kritik

Foto-Leistungsschau: alles da da da

Lexikon | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 52/08 vom 23.12.2008

Hätte James Joyce Gelegenheit gehabt, "photo_graz 08", die diesjährige Leistungsschau der Grazer Fotoszene im Künstlerhaus, zu besuchen, er hätte seinen Leopold Bloom auch da durchschicken können, und sein Ulysses wäre noch komprimierter im Rahmen, deshalb aber nicht minder versponnen im Amalgamieren weit entfernter Kontexte und Erzählfäden geworden.

Schließlich bietet die Schau tatsächlich so ziemlich alle auf, die hierorts den Auslöser ihrer Kamera mit künstlerischer Absicht betätigen, und das führt durch denkbar vielfältige Welten, an den denkbar unterschiedlichsten Techniken und Ansprüchen vorbei, zu denkbar mannigfaltigen Ergebnissen. Konsumierbar ist hier kein Werk mehr für sich allein, so ziemlich alle hängen notgedrungen schlecht, weil eingepfercht und oft zu hoch oder zu tief oder irgendwo dazwischen. Dafür bietet die Ausstellung tatsächlich ein Panorama, das noch niemals weiter ausgefallen ist.

2006 startete das von Max Aufischer und Gerhard Gross initiierte Unternehmen mit schon beachtlichen 150 Teilnehmern, inzwischen zählt man 277. Und darin sind vom ambitionierten Hobbyfotografen bis zum Vollprofi alle mit je einer Arbeit vertreten. Das Spektrum der Bezüge reicht von edelstimmungsimpressionistischer Sicht (etwa eines Gerhard Moderitz) bis hin zur bildforcierten Architekturdynamisierung (etwa eines Slobodenka), inkludiert manisch-archivarische Verfahren zwischen Rollohochziehen und Lichtausschalten (bei Christine Winkler) oder Realitätsüberlagerungen (wie bei Arnold Reinisch), dann aber auch gefährlich bunte Blumenbilder. Und natürlich fehlen auch die hierzulande großen Namen diesmal nicht.

Künstlerhaus, bis 11.1.2009


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