Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 52/08 vom 23.12.2008

Jan Tschichold war einer der bedeutendsten Typografen der Geschichte. Gemeinsam mit dem Engländer Stanley Morison gilt er als der kräftigste Beweger der Typografie im 20. Jahrhundert. Er unterrichtete Generationen von Typografen und gestaltete die Bücher renommierter Verlage von Insel bis Penguin Books.

Der russische Suprematist El Lissitsky pries ihn als Erneuerer im Geist des Bauhauses. Hitler trieb ihn in die Schweizer Emigration. Dieser Jan Tschichold kehrte in seinen späteren Jahren immer wieder zur Fraktur zurück und begründetet das so: "Mit der Fraktur haben wir uns (…) eines Schatzes begeben, um den uns Anderssprechende beneiden dürften, wüssten sie genauer Bescheid. Es ist ein Unglück, dass Fraktur wie früher auch heute noch mit sachfremden Argumenten von den einen bekämpft und mit ebendenselben von den anderen gelobt wird; von der besonderen Eignung der Fraktur und der Schwabacher für die zum teil langen Wörter der deutschen Rechtschreibung, von ihrer raumsparenden Gedrängtheit, von ihrer als spezifisch deutscher und transalpiner Linienkunst erwachsenen Form ist kaum die Rede. Man lese Jeremias Gotthelf, Gottfried Keller, Mörikes, ja selbst Goethes Liebesgedichte oder Des Knaben Wunderhorn in Antiqua. Dann spürt man vielleicht noch, dass sie unpassend, verkleidet' sind. "

Kurt Weidemann, der Gestalter der vom Falter verwendeten Grundschrift: "Tschichold, der typografische Moralist, ist ein Mann des Verstandes und der Vernunft".

Quelle:

¦ Jan Tschichold, Leben und Werk des Typographen, VEB Verlag der Kunst, Dresden 1977


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