Glosse

Der schöne Abschied des Pianisten Alfred Brendel im Wiener Musikverein

Kultur

Falter & Meinung | Armin Thurnher | aus FALTER 52/08 vom 23.12.2008

Alfred Brendel hat letzte Woche in Wien auf dem Höhepunkt seines Könnens seine Konzerttätigkeit beendet. So schwer es ihm gefallen sein mag - er sagt, er sei erleichtert -, und so schwer es seinen Bewunderern gefallen ist, Abschied zu nehmen, sein finaler Abend im Musikverein war ein idealer Schlusspunkt. Beim Andantino von Mozarts Jenamy-Konzert hielt der ganze Saal mitsamt den Philharmonikern den Atem an. Brendel schien, wie es in einem seiner Gedichte ironisch heißt, mitsamt dem Flügel zu levitieren, sich von der Erde zu lösen. Für einen kleinen Fehler bei einer Zugabe war man geradezu dankbar. Man hätte sonst vergessen, dass diese vollendete klingende Schönheit Menschenwerk war, das Werk eines Meisters, dem sein Abschied zur höchsten, zugleich würdigen und unsentimentalen Kunst geriet.


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