Die Krise verdirbt der Medienbranche die gute Laune

Medien | aus FALTER 52/08 vom 23.12.2008

Die Situation ist pervers: Selten wurden Nachrichten so stark nachgefragt wie während der gegenwärtigen Finanzkrise. Gleichzeitig geht es den Zeitungen so schlecht wie lange nicht. Die Finanzkrise ist auch eine Medienkrise. Überall wird gespart, gekürzt oder umgesiedelt.

Die Probleme sind zum Teil altbekannt: Auflagenschwund durch das Internet sowie alte, unflexible Strukturen. Hinzu kommen immer niedrigere Anzeigenerlöse. Unternehmen sparen bei der Werbung und somit die Verleger beim Personal.

Die Betroffenen: renommierte Blätter wie Los Angeles Times, Chicago Tribune, Süddeutsche Zeitung oder Financial Times Deutschland. Die Verlagsgruppe Holtzbrinck muss bei Handelsblatt und Wirtschaftswoche sparen. Bei der Süddeutschen Zeitung ist ein deutlicher Stellenabbau geplant. Weitere 110 Mitarbeiter werden beim norddeutschen Verlag Gruner + Jahr (G+J hält 56 % an der Österreichischen News-Gruppe) eine Kündigung erhalten, Redaktionen in München und Köln werden geschlossen, 50 neue Stellen in Hamburg geschaffen. Einige Titel des Verlags sollen radikal umstrukturiert werden, Redakteure künftig für mehrere Produkte gleichzeitig arbeiten.

Die Essener WAZ-Gruppe will mindestens 30 Millionen Euro einsparen und den Umfang einiger Tageszeitungen reduzieren. Klassische Ressorts sollen aufgelöst und von zentralen "Content-Desks" beliefert werden. Etwa 260 Mitarbeiter könnten ihren Arbeitsplatz verlieren. Nicht nur Printmedien, auch die Fernsehbranche muss den Gürtel enger schnallen. Der ORF bastelt an einem Sparprogramm, die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft möchte 2009 zwanzig Millionen Franken weniger ausgeben.

Den deutschen Medien ist angesichts der Krise bereits das Feiern vergangen. Der Axel-Springer-Konzern, Herausgeber von Bild und Die Welt, hat kürzlich sämtliche Feiern, Empfänge und Galas im Jahr 2009 abgesagt.


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