Fader Horrortrip: Die Seele ist ein leeres Land

Feuilleton | aus FALTER 52/08 vom 23.12.2008

Der Shakespeare-Zyklus des Burgtheaters ist abgeschlossen: Stephan Kimmig inszeniert "Macbeth" als Psychodrama

Theaterkritik: Wolfgang Kralicek

Bei der Premiere hatte am Ende die Tonanlage des Akademietheaters den Geist aufgegeben. Der Falter besuchte erst die zweite - tontechnisch tadellose - Vorstellung und kann daher berichten, dass den Premierenbesuchern der Schlussgag von Stephan Kimmigs "Macbeth"-Inszenierung entgangen ist: Nachdem der neue König Malcolm eine pathetische Politikerrede an die Nation gehalten hat, deren Rhetorik an jene des designierten US-Präsidenten Obama erinnerte, singt er Whitney Houstons kitschige Hymne "One Moment in Time".

Das könnte witzig sein. Aber erstens hat die Szene mit dem Rest der Aufführung wenig zu tun, und zweitens ist dem Publikum zu diesem Zeitpunkt längst das Lachen vergangen. Hinter ihm liegen die 100 längsten Minuten, die das Akademietheater seit Langem gesehen hat.

"Macbeth" ist ein relativ einfaches Stück: Ein Feldherr mordet sich, angestiftet


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