"Brandauer ist der scheußlichste Mensch"

Feuilleton | aus FALTER 52/08 vom 23.12.2008

In seinem nun auch als Buch vorliegenden Blog "Klage" suchte Rainald Goetz nach Wahrheit und Klarheit

Kritik: Sebastian Fasthuber

Mir war dann aufgefallen, dass ich wirklich oft tagelang kein einziges Wort laut auszusprechen hatte, außer vielleicht im Supermarkt an der Kasse ein, Danke, wiedersehn'. Aber ich ging auch nicht jeden Tag einkaufen. Beim Fernsehen kannte ich die Leute, deren Gesichter ich sah, konnte ihre Namen aber nicht aussprechen. Er lag mir nur auf der Zunge. Ich begegnete den Menschen eher im Fernsehen als in echt. Beim Lautlesen übte ich das Sprechen, täglich etwa eine Stunde. Ich fand es schon crazy, nahm es aber hin, dass mein Ich fast am Verschwinden war, weil es verschluckt worden war von den dunklen Jahren."

Der Begriff der Krise ist ein zentraler im Werk des deutschen Autors Rainald Goetz (Jg. 1954), oft bis zur totalen Verfinsterung des Hirns und Herzens. Aber auch die Tatsache, dass der promovierte Mediziner, Historiker und passionierte Textmensch immer wieder

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