Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 52/08 vom 23.12.2008

MAU, sagt das Monster

Vergangene Woche stand im Falter, dass wer Menschenrechte sagt manchmal Marketing meint. Das stand in der Rezension zum allseits abgefeierten Projekt "Facing Nations" - einer in der Grazer Messe zum Jahrestag der UN-Menschenrechtserklärung für elf Tage gehängten Schau mäßig origineller Ölporträts von Grazer Bürgern aus 124 "Nationen", die der steirische ORF-Intendant Gerhard Draxler bundesweit massivst bewerben ließ. Um einen "weltumfassenden Dialog" für mehr interkulturellen Respekt anzuregen.

Es hat sich dann herausgestellt - die Kleine Zeitung hat die Zahlen nachgeliefert -, dass 600.000 Euro Förderungen von Stadt, Land und Bund in dieses "monumentale Menschheitspanorama" geflossen sind. Eine monumentale Menge Moneten für eine mittelmäßige Inszenierung. Ist das Projekt aus kulturpolitischer Sicht überdotiert, so ist es aus integrationspolitischer Sicht ein veritabler Super-MAU - der Monumentalste Anzunehmende Unfall. Man vergleiche, wie viel Geld die Stadt sonst für Integration ausgibt: 526.000 Euro. Jährlich.

Um symbolischen, "weltumfassenden Dialog" geht es im Integrationsdiskurs jedenfalls schon längst nicht mehr. Sondern um Handeln, um Bleiberecht, um Arbeit und Bildung. "Facing Nations" ist ein mit ästhetisch zweifelhaften Mitteln beworbenes politisch-mediales Feel-Good-Marketingmonster, eine Multikulti-Repräsentationsblase. Eine, gegen die ausnahmsweise keine der mitregierenden Parteien etwas haben wird, weil alle die Förderungen mitbeschlossen haben und toll im ORF vorgekommen sind: die ÖVP und die Grünen in der Stadt, die SPÖ und die ÖVP im Land. Respekt! Und: Frohe Weihnachten!

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige