Fragen Sie Frau Andrea

Wünsche an die Jahresendpersonen

Kolumnen | aus FALTER 52/08 vom 23.12.2008

Andrea Maria Dusl beantwortet ausnahmsweise diesmal keine Leserfragen

Liebe Fragende,

wie ihr wisst, beschäftigt sich diese Kolumne wochein, wochaus mit der Beantwortung kniffliger Alltagsfragen, dem Lösen sprachlicher Rätselstellungen und der Enthüllung verborgenen Wissens. Frau Andreas Kolumne steht im Dienste der Aufklärung. Es gibt nichts, was nicht gefragt werden dürfte, und fast nichts, was nicht beantwortet werden könnte.

Am Ende des Falter'schen Dienstjahres macht die Kolumne eine Ausnahme, sie wendet sich mit einem bunten Strauß an Bitten ans Salzamt. In den Büroräumen dieses Instituts finden sich gegen Ende jedes Jahres ein paar illustre Gestalten ein, die sich hauptberuflich mit dem Dezemberausklang beschäftigen: eine goldbekleidete junge Dame mit engelsblonden Locken und Märchenkrone im Haar, ein weißbärtiger Pensionist im rot-weißen Wams und ein eleganter, nach Penhaligon's duftender Herr im anthrazitfarbenen Maßanzug, genagelten Budapestern und billigem Konfetti auf Schultern und Scheitel.

Der Herr mit dem großbürgerlichen Habitus befindet sich im Zustand der fortschreitenden Derangierung. Er trägt die Miene auf Halbmast, etwa so wie Harald Juhnke selig nach dem dritten Gin. Der illustre Herr ist Insidern und Auskennern als Jahresendperson bekannt. Die letzte Kolumne des Jahres richtet sich traditionellerweise mit einer kleinen Wunschliste an diese drei Herrschaften.

Liebes Christkind, lieber Herr Weihnachtsmann, sehr geehrte Jahresendperson! Eingedenk unserer jahrzehntelangen Verbundenheit übermittle ich euch meine Wunschliste für 2009. Ihr möget doch bitte Folgendes in Erfüllung gehen lassen:

1. Die Restauration der Solidarität.

2. Das Grundgehalt für alle.

3. Postämter mit Warteschlangen, die von weniger als drei Personen gebildet werden.

4. Die Einführung von Delis, die Pastrami, Pellegrino und Sanbitter führen.

5. Tempo 28 km/h in Nebenfahrbahnen und Seitengassen.

6. Hundekackverbot in Wien.

7. Die Neugründung des ORF als öffentlich-rechtlicher Sender.

8. Die Einführung von Saint-Lumière, eines internationalen Film-Feiertags.

9. Die Wiedereinführung von 13A-Doppelstockbussen.

10. Musikverbot in Gaststätten und Geschäften.


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